Vor genau vier Jahren

Veröffentlicht: 18. Juni 2026  |  Lesezeit: ca. 2 Minuten

Raus aus der Führungsverantwortung, rein in die Selbstständigkeit mit HR-Fachkonzepten.

Es war eine Reise über Bergetappen und Tiefebenen.

Ganz am Anfang hatte ich meine erste große Anfrage. Ich hatte noch keine Website. Das Feedback des Kunden damals „Ohne Website bekommen Sie den Auftrag nicht, Sie haben ja noch gar keinen Namen.“ Das saß.

Inzwischen struggele ich mit einer permanenten Überlastung. Als „Sensation Seeker“ bin ich neugierig auf jedes neue Projekt. Ich unterschätze oft Aufwände, packe meinen Kalender voll und übe mich täglich im „Nein“-Sagen.

Dass große Banken, namhafte Konzerne, inhabergeführte Mittelständler oder städtische Ämter von sich aus bei mir anfragen, hätte ich zum Start nicht für möglich gehalten.

Mein Alltag ist extrem bunt. Ich coache die Führungskraft im Handwerk genauso wie den Bereichsleiter im Banking oder die Geschäftsführung im mittelständischen Familienunternehmen.

Ich bin meinem HR-Kern treu geblieben, habe das Portfolio aber organisch geschärft. Ich begleite zusätzlich Führungskräfte- und Gruppencoachings und bringe als ausgebildete Mediatorin professionelle Konfliktklärung dahin, wo es „gerade weh tut“.

Ich plane dabei lieber kürzere Projekte von Wochen bis Monaten, bei denen man den Erfolg sofort sieht. Dauerbegleitungen über Jahre bieten zwar Sicherheit, aber ich bin nicht sicherheitsorientiert. Ich brauche den messbaren Projekterfolg und den Haken dahinter.

In der Auftragsklärung bin ich klarer geworden. Ich traue mich, kurze, prägnante, unangenehme Fragen einfach im Raum stehenzulassen. Ich frage nach dem „Nicht-Ziel“ und verkaufe mich nicht unter Wert.

Mit 49 bin ich klarer mit mir selbst als am Tag der Gründung. Damals fehlten mir die Gelassenheit und das tiefe Selbstvertrauen. Kunden spiegeln mir: Ruhe, punktgenaue Formulierungen und frische Methoden.

Daraus ist auch eine Geber-Mentalität entstanden. Wenn ich Aufträge an mein Netzwerk abgebe, verlange ich keine Vermittlungsgebühr. Wer gibt, bekommt irgendwann etwas zurück. Das ist mein eigenständiges, ungeschriebenes Sicherheitsnetz. Existenzängste habe ich abgelegt.

Mein Ziel für die Zukunft ist kein Umsatzrekord. Ich wünsche mir eine solide Auftragslage, aber mit mehr Luft im Kalender zum Atmen, um Kunden und Themen wertzuschätzen.

Und vor allem: Mehr Zeit für Reisen mit dem Wohnmobil, meinem Mann und unserem Hund.

Auf die nächste Etappe!