Gedanken zur Vier-Tage-Woche im Mittelstand

Veröffentlicht: 8. August 2022  |  Lesezeit: ca. 3 Minuten

Unsere europäischen Partnerländer machen es uns vor: die Vier-Tage-Woche funktioniert.

📣 So steht das #isländischeModell für 100% Produktivität, bei 80% Arbeitszeit und 100% Bezahlung. In einem isländischen Feldversuch arbeiteten 2015 bis 2019 tausende Beschäftigte bei gleicher Bezahlung statt 40 Stunden nur 35 oder 36. Dies hat die Beschäftigten bei gleicher Produktivität glücklicher gemacht. Inzwischen haben die meisten Isländer Anspruch auf kürzere Arbeitszeiten.

📣 Das #belgischeModell bedeutet, dass 100% Produktivität rein durch eine Umverteilung der 100% Arbeitszeit auf vier Tage pro Woche erreicht werden. Seit kurzem dürfen Arbeitnehmer*innen im Beneluxstaat vier statt fünf Tage pro Woche arbeiten. Der fünfte Tag kann – gesetzlich garantiert – frei genommen werden.

📣 #Großbritannien startet gerade den weltweit größten Versuch: Mehr als 3.300 Beschäftigte in 70 britischen Unternehmen – von einem örtlichen Imbiss bis hin zu großen Finanzunternehmen – arbeiten in einer Vier-Tage-Woche ohne Lohneinbußen. Das Pilotprojekt läuft über sechs Monate und wird unter anderem von Forschern der Universitäten Cambridge, Oxford und Boston College organisiert.

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Und wie sieht es in #Deutschland aus? Die Fachanwältin für Arbeitsrecht, Claudia Knuth, zitiert in ihrem Artikel in der aktuellen Ausgabe des Personalmagazins eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes Forsa. Die Daten wurden am 16. und 17. Februar 2022 erhoben. Befragt wurden 1058 Menschen. Demnach würden es 71 Prozent der Befragten in Deutschland begrüßen, wenn auch hierzulande das #belgischeModell Einzug halten würde. Besonders beliebt ist diese Option bei Beschäftigten mit höherem Bildungsabschluss sowie bei 30- bis 44-jährigen Arbeitnehmer*innen.

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Und es gibt bereits konkrete Beispiele, dass Branchen mit besonders prekärem Fachkräftemangel sich #Mischformen aus isländischem und belgischem Modell angeschlossen haben. Unter dem Motto: „Vier Tage arbeiten und danach drei Tage in Ruhe mit der Familie verbringen“ praktiziert Andreas Schollmeier, ein Steuerberater mit 15 Mitarbeiter*innen aus Moers, die Vier-Tage-Woche mit 36 Stunden bei vollem Gehalt. Und sichert sich so Arbeitgebervorteile auf dem leergefegten Steuerberater-Markt.

Eine #Mischform praktiziert auch die Firma Osenstätter Holz & Furnier, ein Holzverarbeitungsspezialist aus dem oberbayerischen Schongau. Hier beträgt die wöchentliche Gesamtarbeitszeit ab dem 1. September 2022 38 Stunden bei einer Verteilung auf Montag bis Donnerstag. Weil die Bezahlung gleichbleibt, entspricht das nach Aussage von Nico Osenstätter einer Gehaltserhöhung von neun Prozent. Er hat in diesem Jahr die alleinige operative Geschäftsführung des Familienbetriebs übernommen.

🚀 Für mich als #HRExpertin bietet die Vier-Tage-Woche die einmalige Chance, als mittelständisches Unternehmen in der Mitarbeiter-Gewinnung und -Bindung aus der Masse herauszustechen. Zumindest für ein paar Jahre.

Als #Voraussetzungen sehe ich

🔥 Ein gut durchdachtes #Konzept: Für welche Ziele des nachhaltigen Personalmanagements ist eine Vier-Tage-Woche in unserem Unternehmen überhaupt die Lösung? Was würde ein Minimal-, Medium-, Maximal-Szenario kosten?

🔥 Eine #Umfrage unter den Beschäftigten: wer ist an einer Vier-Tage-Woche interessiert? Wer wäre bereit, dafür auf wieviel Prozent des Gehaltes zu verzichten? Welche Voraussetzungen sehen die Beschäftigten in ihrem Arbeitsbereich, damit die Produktivität gleichbleibt oder steigt? Was halten sie beispielsweise von Jobsharing, neuen Schichtmodellen oder einer Digitalisierung von Prozessen in Verbindung mit der Vier-Tage-Woche?

🔥 Eine gute Zusammenarbeit mit dem #Betriebsrat des Unternehmens. Eine Betriebsvereinbarung vereinfacht eine einheitliche Regelung für alle an der Vier-Tage-Woche teilnehmenden Beschäftigten.

🔥 Eine erprobte Zusammenarbeit mit einem #ArbeitsrechtsExperten. Denn die Einführung beispielsweise des belgischen Modells klingt zwar für den Unternehmer kostenneutral und verlockend, unterliegt aber durch das deutsche Arbeitszeitgesetz massiven Beschränkungen.

Quellen:

https://www.haufe.de/personal/zeitschrift/personalmagazin/personalmagazin-ausgabe-82022-personalmagazin/arbeitsrechtliche-grundlage-zur-einfuehrung-der-viertagewoche-570852.html

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vier-tage-woche-arbeitszeit-1.5533070

https://www.theguardian.com/business/2022/jun/06/thousands-workers-worlds-biggest-trial-four-day-week

https://rp-online.de/nrw/staedte/moers/vier-tage-woche-moerser-firma-setzt-auf-neues-arbeitszeit-modell_aid-72179873

https://www.bauhandwerk.de/news/osenstaetter-fuehrt-die-vier-tage-woche-ein_3823525.html

Bild: https://unsplash.com/@risandry